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Aus dem Evangelium nach Johannes! Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus.

Gut, dass es den Karfreitag gibt!

Sehen Sie das auch so oder irritiert Sie eine solche Aussage? Nein, ich bin nicht ins Leiden verliebt noch habe ich eine merkwürdige Freude am Tod. Aber was wäre die Auferstehung Jesu Christi ohne den Karfreitag? Stellen wir uns das einmal vor: Ostern ohne Passion. Wir würden einen Helden, einen Ausbund an Kraft, Stärke, Gesundheit und Lebendigkeit, einen Siegertypen verehren. Bei mir macht sich da ein Gefühl der Einsamkeit breit; Kälte kriecht hoch. Ein Bild steigt auf, das spiegelt, strahlt und glitzert. Ich denke da an eine Oberfläche mit Lotuseffekt, von der alles abperlt.

Ich spüre die Sehnsucht nach den Wunden Jesu. In Jesus leidet Gott ohne Abstand zu den Menschen. Da ist keine Trennung von Himmel und Erde. Er fühlt mit, er leidet mit. Jesus trägt das Leid. Wahrer Mensch.

In der Passionsgeschichte sehen wir das Leid der Welt: Schwachheit, Schuld, Mechanismen von Macht und Ohnmacht, Scheitern und physische Qual. Aber darin liegt nicht ihre eigentliche Bedeutung. Menschliche Erbärmlichkeit und das Elend der Welt lassen sich auch anderswo festmachen.

Die Passionsgeschichte hat heilende Kraft. Die Leidensgeschichte schockiert und heilt, weil Gott hier ohne Distanz handelt: In seinem Sohn geht er bis in die Tiefe des menschlichen Leids und des Todes. Kein Ort mehr, der Gott fern wäre.

Kein Leid, das Gott fern wäre. In Jesus ist Gott verwundet. Diese Nähe zwischen Gott und Mensch wird durch die Auferstehung nicht aufgehoben. Denn der Auferstandene ist der Gekreuzigte. Durch den Karfreitag ist das Leid der Welt, das Elend der Menschen, das Scheitern mit in das Ostergeschehen hineingenommen. Jesus durchlebt das Leiden und den Tod und wird auferweckt. Und dadurch wird auch die Welt, werden auch wir verwandelt. Nur als Gekreuzigter ist Gott ein Gott für uns und mit uns. Nur als Auferstandener ist Jesus am Kreuz Zeichen unserer Erlösung.

Stefanie Krömker

Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. Kommt, lasset uns anbeten. O du hochheilig Kreuze, daran mein Herr gehangen in Schmerz und Todesbangen. Du bist die sichre Leiter, darauf man steigt zum Leben, das Gott will ewig geben. Du bist die starke Brücke, darüber alle Frommen, wohl durch die Fluten kommen. Du bist der Stab der Pilger, daran wir sicher wallen, nicht schwanken und nicht fallen. Du bist des Himmels Schlüssel, du schließest auf das Leben, das uns durch dich gegeben. Zeig deine Kraft und Stärke, beschütz uns all zusammen durch deinen heilgen Namen. (GL 766)

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