header

Diese Frage habe ich in letzter Zeit manchmal gehört! - Von Pastoralreferentin Stefanie Krömker

Hinter dieser Frage ahne ich ein Kirchenbild, dass ich nicht teile. Kirche ist da, wo Menschen sich um ihren Nächsten, vor allem um die Schwachen kümmern. Wie viel praktische Fürsorge durch Einkaufen und Besorgungen für andere wurde in den letzten Wochen geleistet! Und nicht nur für die Menschen, die einem verwandtschaftlich nahe stehen, sondern auch für die, mit denen man normalerweise nicht so viel zu tun hat. Wie viel Solidarität gab es mit denen, die besonders von Einsamkeit bedroht sind! Solidarität durch Anrufe, an andere denken, für sie beten. Was Gebet und Gottesdienst angeht: Ich weiß von nicht wenigen, die sich in den letzten Wochen verantwortlicher für ihr Gebetsleben gefühlt haben als sonst. Da öffentliche Gottesdienste fehlten, gewann das private Gebet einen anderen Charakter. Es wurde notwendiger. Einige Familien haben mir erzählt, dass sie gerade die Osterfeiertage mit Gottesdiensten daheim gestaltet haben. Für einige eine neue Erfahrung, mit Ehepartner und Kindern nicht nebeneinander in der Bank zu sitzen, sondern in der häuslichen Feier über das Evangelium zu sprechen und sich im Gebet als Glaubende zu zeigen. Da ist Kirche.

„Systemrelevant“?

Die Diskussionen um die „Systemrelevanz“ von Kirche fand ich mehr als unpassend. Ohne Zweifel gibt es Einrichtungen, die wichtig für die Daseinsvorsorge sind: Kindergärten für Notbetreuung, der Beistand durch Krankenhausseelsorger*innen und der Dienst der Sozialstationen seien genannt. Aber wer meint, darauf pochen zu müssen, systemrelevant zu sein, ist es nicht. Die praktische Bewältigung der Coronakrise schafft der Staat sehr gut ohne die Kirche als Institution. Dies mag einige kränken, zeigt sich aber gerade in der Praxis. Wir brauchen Gott nicht wie Lebensmittel und medizinische Versorgung, sondern auf andere Weise. Auf eine Weise, die nicht systemrelevant ist, weil Gott nicht Teil des „Systems“ ist und wir Menschen es auch nur zum Teil sind, und nicht im Wichtigsten und im Letzten. Aufgabe der Kirche ist es m.E. vor allem, darauf zu insistieren, dass die Schwächsten bei uns und weltweit nicht übersehen werden.

Gottesdienste

Nun hat die Zeit begonnen, in denen unter den inzwischen sattsam bekannten Hygieneregeln wieder mehr öffentliches Leben möglich ist. Das gilt nach dem Dekreten von Bischof Franz Jung für Gottesdienste, auch für Eucharistiefeiern.

Eucharistie ist etwas Wunderbares: Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens. Zur Eucharistie gehört eine Gemeinde, die sie feiert. Und hier beginnt das Problem: Wir können unter den jetzigen Bedingungen nicht im Vollsinn gemeinsam feiern. Wir halten Abstand mit Mund-Nasen-Schutz, manche bleiben aus Sicherheitsgründen am besten zuhause, andere vertragen den Mundschutz nicht, mit Kindern ist es schwierig, weil sie nach der Kirche nicht spielen dürfen …. Das Zweite: Die Bedingungen, unter denen die Kommunion empfangen werden kann und die im Gesundheitsschutz begründet sind, scheinen nicht wenigen die Würde der Eucharistiefeier zu bedrohen. Es wäre unerträglich, wenn Desinfektion mehr Aufmerksamkeit bekommt als der Empfang des Leibes Christi. Aus diesen Gründen hat sich der Pfarrgemeinderat dafür ausgesprochen, erst einmal bis zum 14.6. noch keine Messen in der Pfarreiengemeinschaft Mittlerer Kahlgrund zu feiern. Nicht aus mangelnder Wertschätzung für die Eucharistie, sondern gerade weil sie uns so wertvoll ist.

Es ist zu respektieren, wenn an anderen Orten anders entschieden wird. Wir müssen unseren Weg als einzelne und als Gemeinde finden. Ich bin dankbar für die sehr ernsthafte Diskussion im Pfarrgemeinderat und halte die momentane Entscheidung,der auch PV Vlad als Pfarradministrator gefolgt ist, für gut. Am 12. Juni beraten Pfarrgemeinderat und Pastoralteam, um zu überlegen, wie es weiter geht.

Die ersten Wort-Gottes-Feiern in Schimborn wurden von vielen Teilnehmenden als angemessene Form wahrgenommen. Auch dort ist der Abstand zwischen den Besucher*innen nicht schön, aber gemeinsames Hören des Wortes verbindet. Hören geht mit Abstand, gemeinsames Mahl kaum. Wichtig ist mir, dass wir wöchentlich draußen vor dem Pflegeheim in Mömbris eine Andacht feiern. Die Bewohner*innen nehmen an den Fenstern teil. Diese Andacht ist wegen der Vorgaben des Gesundheitsamtes nicht öffentlich und steht daher nicht in der Gottesdienstordnung. In den nächsten Monaten mag es sinnvoll sein, mehr draußen miteinander Andachten zu feiern. Die Ortsausschüsse sind eingeladen, sich mit dieser Frage zu befassen und, falls sie sich dafür entscheiden, an geeigneten Orten entsprechend zu planen.

Herzliche Grüße Stefanie Krömker, Pastoralreferentin

­